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Es hätte großartig werden können. Ein Einblick hinter die Kulissen einer Pixar-Produktion, geleitet von Supervising Animator Mark Walsh, der schon bei „Toy Story 2“, „The Incredibles“ oder „Ratatouille“ mitgearbeitet hat. Das Seminar, dass anlässlich der Sonderreihe zum Animationsfilm im Rahmen des diesjährigen Internationalen Kinderfilmfestivals Lucas für nächste Woche angekündigt war, wurde heute abgesagt.

pixar_story_USErsetzt wird es durch eine Vorführung der Dokumentation „The Pixar Story“ in Anwesenheit der Regisseurin Leslie Iwerks. „Bislang nur in Nordamerika aufgeführt“, heißt es in der Pressemitteilung des Festivals. Wer sich für Pixar interessiert, hat den Film aber wahrscheinlich ohnehin schon im Schrank stehen, befindet er sich doch als Bonusmaterial auf den DVD- und Blu-ray-Ausgaben von „WALL-E“. Und was den Inhalt angeht? Mal ehrlich: dass die Pixar-Filme wirklich sehenswert sind, das wussten wir schon. Aber die Dokumentation liefert zu wenig Informationen über die Produktionsabläufe und die kreativen Rahmenbedingungen in dem Studio – das Bonusmaterial auf der Doppel-DVD von „The Incredibles“ war in dieser Hinsicht wesentlich aufschlussreicher. Und letztlich wirkt Iwerks‘ Film doch sehr weichgespült. Natürlich gibt es dabei keine kritischen Bemerkungen – etwa über die Übernahme des einstigen unabhängigen Unternehmens im Jahr 2006 durch Disney, die sich dadurch den früheren Mitarbeiter John Lasseter wieder zurück ins Haus geholt haben. Iwerks‘ Film zeigt nur eine Erfolgsstory – und die endet aus gegenwärtiger Sicht sogar noch viel zu früh. Denn weder „Ratatouille“ noch „WALL-E“ oder gar „Up“ kommen in dem 2007 produzierten Film zur Sprache.

Spannender als der Film könnte hingegen der angekündigte Brunch mit Iwerks am 12. September um 11:30 im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt werden. Als Enkelin von Disney-Zeichner-und-Techniker-Legende Ub Iwerks kann sie sicherlich einiges erzählen – und vielleicht auch mal nicht so überaus politisch korrekt.

Erfolgsgeschichte statt Blick hinter die Kulissen: „The Pixar Story“

Wissen, wie es sich leben lässt – und wissen, was man sehen sollte: In Frankreich startet schon heute Shane Ackers „9“, eine postapokalyptische CGI-Animation im Look eines Puppentricks.

Mit großem Aufwand seit Monaten per viraler Netzkampagne über diverse Plakatmotive, Filmclips, Trailer, eine stimmungsvolle Website und einen Facebook-Auftritt angekündigt, dürfen sich die cinephilen Nachbarn noch vor dem US-Kinostart am werbewirksamen Stichtag 9.9.09 das Langfilmdebüt von Shane Acker auf der Leinwand ansehen, das in Frankreich unter dem Titel „Numéro 9“ bei SND anläuft.

9

Bildnachweis: SND / Focus Features / Universal Pictures

Ein kleine Gruppe nummerierter Stoffpuppen, die aussehen wie zum Leben erweckte Jutesäcke mit Reißverschluss, vor dem Hintergrund einer verwüsteten Welt im Kampf gegen drahtige Maschinen – und das Ganze, dem Weltuntergangsgenre treu, mit einer Prise Erlöser-Mythos versetzt. An diesen Eckpunkten arbeitet sich der Trailer ab und präsentiert visuelle Eindrücke, die großes Interesse wecken. Das Design der Puppen ist individuell, aussagekräftig und fantasievoll, die Sets zeugen davon, dass Shane Acker sein Architekturstudium ernst genommen hat, die Dynamik der Kamerabewegungen ist mitreißend und die Detailtreue der Animationen wirkt lebendig.

„9“ basiert auf dem gleichnamigen Kurzfilm des Regisseurs, der 2005 in Sundance Premiere feierte, noch im selben Jahr bei den Studentenoscars sowie bei SIGGRAPH ausgezeichnet wurde und schließlich 2006 sogar für den regulären Kurzfilm-Academy Award nominiert war. Offizielle Sequenzen gibt es auf der Acker-eigenen Website, inoffizielle bei YouTube.

Medienpädagogisch interessant ist die US-Website zum Film von Focus Features. Dort finden sich nicht nur die üblichen Inhaltsangaben, Fotos und Trailer, sondern auch bebilderte Hintergrundinformationen über Darstellungen der Apokalypse in der Kunstgeschichte und ihren Bezug zu „9“. Allein damit läuft diese Onlinepräsenz schon der Qualität mancher DVD-Extras den Rang ab und leistet das, was Filmbildung tun sollte: Lust machen auf Filme – und zum Blick hinter die Kulissen animieren.

Starttermine für Deutschland sind noch nicht geplant – auch wenn einige europäische Länder Hoffnung machen, dass „9“ in Deutschland seine Veröffentlichung nicht nur auf DVD/Blu-ray erlebt: Genannt werden der 9.9. für die Tschechische Republik und die Niederlande sowie der 16.9. für Belgien, der 23.10. für Spanien und der 30.10. für Großbritannien.

Aber vielleicht hängt ja auch alles etwas damit zusammen, wie sich „Coraline“ hier an den Kinokassen schlägt.

Update (27.08.2009):

Universal Pictures hat auch in Deutschland die Rechte für die Kinoauswertung. In diesem Jahr wird „9“ nicht mehr anlaufen, nächstes Jahr aber „zu 99%“. Ein schönes Wort-/Zahlenspiel…

Update (10.01.2010):

Auch in Deutschland dürfen die Jute-Puppen demnächst im Kino tanzen: Ab dem 25. Februar 2010 unter dem Titel #9.

Savoir vivre – savoir voir: 9